Spieglein, Spieglein überall

Wie du aufhörst, dich über die anderen zu ärgern und deine eigenen Grenzen erweiterst

Heute stelle ich dir einen einfachen Ansatz vor, wie du aufhören kannst, dich über die “negativen” Eigenschaften eines anderen Menschen zu ärgern oder dich gekränkt zu fühlen. Statt dessen erhältst du die Gelegenheit zu erkennen, wie dich diese vermeintlich “negativen” Eigenschaften in deiner persönlichen Entwicklung weiter bringen können. Das alles geschieht durch eine bestimmte Art der Reflexion, die Spiegelgesetzmethode. Diese Methode hilft dir

  • zu tieferer Selbsterkenntnis in einer aktuellen Situation zu kommen
  • dich aus der Opferrolle zu befreien und statt dessen zu wählen
  • in jeder Person und Situation das Geschenk für dich zu sehen
  • deine negativen Programmierungen Stück für Stück abzulegen

Das Spiegelgesetz besagt: 

“Unser Leben ist ein Spiegel.

Die Menschen in unserem Leben sind Spiegel für uns.

Das gibt uns die Chance zu wachsen und uns weiterzuentwickeln.”

Du brauchst das jetzt nicht einfach glauben. Ich lade dich jedoch ein, jetzt und hier die Perspektive zu wechseln und dich auf eine neue Denkweise einzulassen. Was ist also mit Spiegel gemeint? Damit ist gemeint, dass alles, was wir am anderen sehen und entdecken, uns an uns selbst erinnert. Die Spiegelgesetz-Methode geht sogar noch eine Schritt weiter.

Demnach ist ein Spiegelbild einer DEINER vielen Gedanken, der sich in sichtbarer Form verwirklicht hat.

Das bedeutet: Zuerst die Gedanken, dann folgt das Spiegelbild. Ganz oft begegenen uns unsere negativen Gedanken in Form einer Person, über die wir uns ärgern. An die meisten Gedanken erinnern wir uns freilich nicht oder sind uns ihrer überhaupt nicht bewusst. Zum Beispiel: Eine Frau sieht sie sich mit einem Partner konfrontiert, der im Haushalt kaum mithilft und der auch bei der Kindererziehung keine große Hilfe ist. Wenn sie wieder einmal in Arbeit versinkt, denkt sie: “Immer muss ich alles alleine machen. Mein Partner unterstützt mich nicht.” In einer solchen Situation würden wir “normalerweise” unterstellen, dass die konkrete Person (in unserem Bsp. der Ehemann) und Situation für unsere Gedanken verantwortlich ist. Wenn wir das Spiegelgesetz zugrunde legen, dann gehen wir vom Gegenteil aus. Nämlich davon, dass die negativen Gedanken und Grundüberzeugungen (in unserem Beispiel die Überzeugung: “Ich muss immer alles alleine machen”) lange vorher da waren. Die Personen in unserem Umfeld bestätigen uns diese Überzeugungen durch ihr Verhalten nur immer wieder aufs Neue. Die Spiegelgesetz-Methode besagt weiters: Jedes Mal, wenn wir versucht sind, uns von jemanden abzuwenden oder beleidigt zu reagieren, weisen wir einen Wesenszug von uns selbst zurück. Puuh. Ich weiß. Im ersten Moment ist das vielleicht schwer zu denken, geschweige denn zu akzeptieren. Dennoch: Wenn wir eine Eigenschaft an jemand anders nicht achten (sondern ablehnen oder gar verurteilen), bedeutet es nach der Spiegelgesetz-Methode, dass WIR UNS SELBST in unserer Ganzheit nicht achten und auch nicht schätzen.

Was wir am anderen ablehnen, das lehnen wir natürlich auch an uns selbst ab.

Mit der Anwendung des Spiegelgesetzes erkennst du DEINE Lieblosigkeit dir selbst UND anderen gegenüber und DEINEN “falschen” Glauben über bestimmte Eigenschaften. Falsch in Anführungsstrichen, weil ich meine, dass es bei den eigenen Überzeugungen und Glaubenssätzen weder falsch noch richtig gibt. Ich unterscheide hier vielmehr zwischen hemmend und hilfreich. Wenn wir den Gedanken des Spiegels weiter denken, dann befinden wir uns alle in einem Spiegelkabinett. Die anderen sind unsere Spiegel und umgekehrt. Wir zeigen einander also gegenseitig unsere verdrängten Eigenschaften auf. Und haben die Chance, sie ganz bewusst wieder zu integrieren. Vielleicht auch ein Stück von dem zurück zu gewinnen, was wir uns schon sehr früh (durch Erziehung, Anpassung und einprägsame Erfahrungen) abgewöhnt haben.

Ein praktisches Beispiel:

Du ärgerst dich über deine/n Partner/in, weil er/sie nicht aufräumt und alle Sachen herum liegen lässt. Dieses Verhalten findest du faul und egoistisch. Im günstigen Fall. Im ungünstigen Fall findest du deine/n Partner/in faul und egoistisch! Anstatt wie gewohnt zu reagieren und zu kommunizieren (dich zu ärgern, das Verhalten oder die Person zu kritisieren…) gehst du folgende Schritte:

1) Du ergründest, was du am Verhalten deines Gegenübers konkret ablehnst

Geht es um das “faul sein” oder steckt auch noch etwas anderes dahinter?Wenn es die Faulheit ist: Ist “Faul sein” für dich negativ? Wenn ja, in welchen Situationen? Vielleicht lehnst du “Faul sein” für dich total ab?

2) Führe dir vor Augen, dass du diese Eigenschaft auch in dir trägst, weil sie menschlich ist.

Demnach hast du auch in dir irgendwo einen faulen Anteil (oder vielleicht 2 ;-)). Nur gibst du dem vielleicht keinen oder wenig Raum.

3) Stelle dir diese 6 Fragen:

– Was ist das Schlimme daran? Das Schlimme am “faul sein” ist vielleicht, dass dann zuwenig erledigt wird? Oder dass es unordentlich ist? Vielleicht war das in deiner Herkunftsfamilie verpönt und du wurdest ermahnt?   – Was könnte das Positive am vermeintlich Negativen sein? z. B. Faul sein” ist vielleicht ganz angenehm und erholsam.   – Wo würde ich vielleicht im Grunde meines Herzens auch gerne faul sein können? z. B. Möchtest du gerne öfter faul sein, schaffst es aber nicht, solange es unordentlich ist?   – Was würde mir diese Eigenschaft bringen? Was wäre dadurch möglich? z. B. Wenn ich öfter faul wäre, wäre ich entspannter und würde mehr lachen, weniger Verspannungen, besserer Schlaf, mehr Kreativität   – Wie könnte ich diese Eigenschaft positiv formulieren? z. B. sich ausruhen? sich öfters eine Pause gönnen? Kraft tanken,…?   – In welchen Situationen möchte ich diese positive Eigenschaft mehr in mein Leben integrieren? z. B. abends beim nach Hause kommen oder gleich nachdem die Kinder im Bett sind, einen Tag vom Wochenende… Auch die Anschuldigung des egoistisch seins könnte sich verwandeln in: – öfter für mich sorgen – öfter abgrenzen – nein sagen zu anderen oder noch mehr Arbeit – mehr nach deinen Bedürfnissen leben – das machen, was mir Freude macht …

4) Überprüfe dann: Wie hat sich deine Sichtweise auf die Person durch deine neue Sichtweise auf diese Eigenschaft verändert?

Kannst du die Person nun eher als Spiegel betrachten oder anerkennen?Oder als Chance eine deiner “verdrängten” Eigenschaften zu integrieren? Ist aus dem “faulen Egoisten” aus unserem Beispiel jetzt vielleicht ein Mensch geworden, von dem du etwas lernen könntest?

5) Und wie verändert diese neue Sichtweise deine Gefühle und dein Wohlbefinden?

Du wirst vielleicht feststellen, dass deine ursprünglichen Gefühle schwächer geworden sind oder sich überhaupt aufgelöst haben. Vielleicht empfindest du jetzt mehr Nachsicht mit der anderen Person oder auch dir selbst? Möglicherweise ist auch etwas aufgetaucht, mit dem du so gar nicht “gerechnet” hast. Falls du neugierig geworden bist und noch tiefer in “die Spiegelgesetz-Methode” einsteigen möchtest, empfehle ich dir das gleichnamige Büchlein von Christa Kössner. Übrigens: Unsere Mitmenschen sind demnach auch Spiegel für unsere äußerst “positiven” Eigenschaften! Ein Spiegel zeigt einem ja immer alles, wenn man bereit ist hinzuschauen. Wenn du also demnächst jemanden für seine positiven Eigenschaften und Fähigkeiten bewunderst, denke daran: Auch diese Eigenschaft ist etwas, das du bereits in dir trägst. Es gehört zu deinem Potential! Und wenn du dem in Zukunft mehr Raum geben möchtest, dann wird es sich in dir entfalten und stärker werden. In diesem Sinne viel erhellende Momente und auch Spaß beim Anwenden! Und außerdem Humor. Das erleichtert die Sache natürlich. Ich freue mich über deinen Kommentar! Herzlich, dein persönlicher Coach und Spiegel Alexandra   P.S.: Für den Einstieg empfehle ich dir, mit den Menschen zu beginnen, die dir nahe stehen und an denen du bereits viele “positive”, als auch ein paar “negative” Eigenschaften findest. Nicht umgekehrt. 🙂