Was eine wirkliche Bitte ausmacht und warum wir öfter Danke sagen sollten

Als kleine Kinder lernen wir höflich zu sein. Man sagt uns, dass es wichtig ist, „Bitte!“ zu sagen, wenn wir etwas haben möchten und „Danke!“ wenn wir etwas bekommen haben. Auch wenn es sich um etwas ganz selbstverständliches handelt, wie etwas zu Trinken oder einen Apfel.

Vielleicht ist dieses „Sag´ schön bitte bitte!“ auch einer der Gründe, weshalb sich später so viele Erwachsene schwer damit tun um etwas zu bitten. Weshalb vielen „ein Zacken aus der Krone zu fallen scheint“ und sie eine Sache lieber selber machen, anstatt um Hilfe zu bitten. Mir geht es manchmal noch immer so.

Was entscheidender ist als das Wort „Bitte“

 

Bitte sagen wir, wenn wir etwas haben wollen. Es ist unhöflich, wenn wir auf das Bitte verzichten. „Gib´ mir doch bitte mal das Salz“ klingt besser als „Gib´ mir mal das Salz.“ Einfach deshalb, weil wir darauf trainiert worden sind.

Dabei vergessen wir (ich nehme mich da überhaupt nicht aus) manchmal etwas Entscheidendes: Nämlich unsere Stimme und unseren Gesichtsausdruck. Wir können 100 Mal Bitte sagen, wenn wir es mit einem ungeduldigen Gesichtsausdruck sagen, dann rettet es das „Bitte“ auch nicht mehr. Der andere spürt Druck. Und Druck erzeugt bekanntlich Gegendruck.

Wenn wir hingegen ein Lächeln dazu schicken, spielt das Wort „Bitte“ keine so wichtige Rolle mehr. Unsere Bitte wird auch so verstanden und wahrscheinlich um einiges lieber erfüllt.

 

Was genau unterscheidet eine Bitte von einer Erwartung oder Forderung?

 

Die Einstellung dahinter. Die macht aus meiner Sicht DEN entscheidenden Unterschied.

Eine Bitte ist ein Ausdruck eines Wunsches, den der andere erfüllen soll.

Wir wünschen uns etwas, es steht dem anderen aber frei, uns die Bitte zu erfüllen. Und wenn uns die Bitte erfüllt wird, so freuen wir uns darüber. Es ist ein kleines oder großes Geschenk, das wir erhalten. Weil es eben nicht selbstverständlich ist.

Das Ausmaß dieser Freude bemerkt der Erfüller der Bitte an unserer Reaktion. Also weniger am Wort „Danke“, als an dem, was wir in dieses Wort noch an Emotionen hinein legen. Wenn wir jemandem eine Bitte erfüllen und derjenige sich freut, so freuen wir uns auch. So machen wir uns gegenseitig ein Geschenk.

Wenn unsere Bitte nicht erfüllt wird, so ist das zwar nicht super, aber in Ordnung. Wir sind darüber weder richtig enttäuscht, noch beleidigt.

Bei Erwartungen oder Forderungen hingegen glauben wir, dass wir ein Anrecht darauf haben, dass sie uns erfüllt werden. Es steckt also ein Erwartungsdruck dahinter, weil bei Nicht-Erfüllung mit negativen Konsequenzen zu rechnen ist. Z. B. mit Enttäuschung, Ärger, Ermahnung oder einer Litanei, wieso das als ungerecht, unhöflich o. ä. empfunden wird.

Eine Erwartung kann man zwar als Bitte getarnt vortragen, es ist aber sofort spürbar, dass es sich um einen Anspruch handelt.

Wenn unsere Erwartung dann erfüllt wird, so freuen wir uns nicht besonders drüber, sondern sind höchstens zufrieden. Unsere Gefühlsreaktion fällt recht neutral aus. Es ist ein ToDo, das abgehakt wird und unsere Gedanken dazu sind vielleicht „na endlich!“, „geht doch“, „gut so“, „warum nicht gleich“, …

Was beim Gegenüber ankommt ist auch genau diese neutrale Gefühlshaltung.

Es gibt zwar keine Minus-Punkte, aber auch keine Bonus-Punkte.

Dafür passt der Ausspruch: „Nicht geschimpft ist gelobt genug.“ Dass das von vorne herein nicht gerade sexy und motivierend ist leuchtet ein.

Betrachten wir nun die Geberseite.

 

Was macht Dir mehr Spaß: Eine Erwartung oder eine Bitte zu erfüllen?

 

Also ich erfülle viel lieber Bitten oder unausgesprochene Wünsche. Erstens weil ich lieber freiwillig etwas mache anstatt mich drängen oder zwingen zu lassen. Zweitens ist der Lohn ein ganz anderer.

Das Erfüllen von Erwartungen wird als etwas Selbstverständliches gesehen.

Hier fällt eher auf, wenn etwas NICHT funktioniert oder NICHT gemacht ist. Ein Beispiel ist vielleicht der letzte Umzugskarton, der nach 1 Jahr immer noch herum steht oder die Lampe im Badezimmer, die immer noch nicht hängt oder der Rasen, der dringend gemäht werden soll oder die Lieblingshose, die noch nicht gewaschen ist.

Blumen_Geschenk_pixabay_flowers-871514_1920Wenn wir hingegen eine Bitte hören und es eine wirkliche Bitte ist (also die Erfüllung etwas Freiwilliges), dann haben wir die Chance jemandem wirklich eine Freude zu machen!

 

Und wir Menschen lieben nun mal positive und angenehme Emotionen. Bei uns selbst und bei anderen!

 

Siehst Du das Geheimnis und die Chance, die darin verborgen ist?

 

Hier mein Tipp für Deine nächste Bitte

Wenn Du wirklich möchtest, dass Du etwas bekommst oder etwas für Dich gemacht wird, erhöht es deine Chancen enorm, wenn Du

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  • Dir vorher klar machst, ob es wirklich eine Bitte ist (freiwillig)
  • Dich bei einer Erwartung oder Forderung fragst, ob es Dir wirklich zusteht, das zu erwarten oder ob Du es auch als Geschenk sehen könntest (das nimmt den Druck raus und verändert deine Energie)
  • eine freundliche Bitte formulierst
  • Du Deinem Gegenüber den Wert klar machst, den die Erfüllung dieser Bitte für Dich hätte
  • Du eine positive Reaktion von Dir in Aussicht stellst

UND besonders wichtig:

Dass Du Deine positiven Emotionen ganz deutlich zeigst, wenn Dir die Bitte erfüllt wurde.

 

Ich gebe Dir ein Beispiel:

Aus „Jetzt räum´ doch bitte endlich diesen Umzugskarton aus!“ wird dann:

„Ich wäre so froh, wenn Du den Karton ausräumen würdest! Ich hätte dann das Gefühl, dass Du mir hilfst und ich das nicht auch noch erledigen muss. Mein Kopf wäre frei und wir hätten Zeit für andere, schönere Dinge…“

Was für eine feine Bitte, ganz ohne das Wort „Bitte“.

Und nicht vergessen: Ob eine Bitte auch erfüllt wird oder nicht ist freiwillig!

Hier wird auch klar gemacht, worum es wirklich geht. Denn entscheidend sind selten der Karton, die Zahnpastatube oder das schmutzige Geschirr, sondern vielmehr wie wir diese Dinge für uns interpretieren.

Erst wenn wir diese Interpretation offen legen, können wir unsere eigenen Bedürfnisse so ausdrücken, dass unser Gegenüber unsere Gedanken und Motivationen verstehen kann.

Das lässt meiner Erfahrung nach sogar den Widerstand gegenüber einer Erwartung ganz schnell schwinden. Das merke ich ganz besonders im Umgang mit meinen Kindern.

 

Und noch ein „Geheim“-Tipp für die Erfüllung Deiner Wünsche:

Bedanke Dich herzlich und immer wenn Du etwas bekommst, das Dich wirklich freut oder jemand etwas für Dich tut, was Dir wichtig ist.

  • Erkläre, was es Gutes bei Dir auslöst
  • Streiche heraus, was es für Dich bedeutet
  • Zeige Deine ehrliche Freude!

Das fühlt sich vielleicht anfangs ungewohnt und „übertrieben“ an, aber Du wirst merken: Es verstärkt die Freude am Geben und Nehmen und erspart Dir vielleicht das Bitten an anderer Stelle.

Zudem wirst Du selbst achtsamer und legst Deinen Fokus mehr auf das, was sich gut anfühlt und Freude auslöst.

Wenn Du wertschätzend durch Deinen Tag gehst und Dich bedankst für das, was schon alles da ist und was schon alles wie selbstverständlich für Dich getan wird, dann öffnest Du die Tore für mehr Großzügigkeit, Fülle und schöne Überraschungen in Deinem Leben.

Probiere es aus und berichte mir von Deinen Erfahrungen! Ich bin schon sehr gespannt, wie es Dir dabei geht.

Herzlichen Gruß,

Dein persönlicher Coach

Alexandra

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